Print-Beilage: Buchtipps
Umgang mit Trauer, Loslassen und Neuanfang, Respekt und Achtsamkeit, Glück und gute Gefühle
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Neue Titel
Achtsamkeit in der Partnerschaft
Was dem Zusammenleben Tiefe gibtAchtsamkeit zu üben bedeutet, wieder im Fluss des gemeinsamen Lebens anzukommen. Hans Jellouschek hat dies für das partnerschaftliche Zusammenleben nutzbar gemacht. Mit vielen praktischen Übungsanleitungen und Beispielen aus der Beratungspraxis zeigt er, wie diese Kunst zu üben und zu pflegen ist. Ein völlig neuer Zugang, der in die tiefere Dimension der Beziehung führt.
Warum die Deutschen? Warum die Juden?
Träge Deutsche, rege Juden und das Gift des Neides: Götz Aly über die Vorgeschichte des Holocaust.
Warum die Juden? Warum die Deutschen? Diese beiden Fragen harren seit 1945 einer Antwort. Götz Aly gelangt in seinem neuen Buch zu verstörenden Einsichten. Er beschreibt Fortschrittsscheu, Bildungsmangel und Freiheitsangst so vieler christlicher Deutscher während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dagegen begeisterten sich die deutschen Juden für das Stadtleben, für höhere Bildung; sie wussten die Chancen der Moderne zu nutzen. Die trägen Nicht-Juden sahen ihnen mit Neid und Missgunst hinterher. Aus Schwäche erwuchsen zuerst Sehnsucht nach kollektiver Stärke, dann Rassendünkel und am Ende mörderischer Antisemitismus.
Götz Aly, geboren 1947, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften (Dr. rer. pol.) in Berlin. Er hat wichtige Veröffentlichungen zur Sozialpolitik und zur Geschichte des Nationalsozialismus vorgelegt. Ausgezeichnet wurde er mit dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste zu Berlin und dem Marion-Samuel-Preis der Stiftung Erinnern.
»Es ist ein Vergnügen, diesen Autor zu lesen […] Wir lernen eine Humanität kennen, die völlig frei von Rhetorik ist; ihre höchste Tugend ist Genauigkeit.« Gustav Seibt
Rezension aus Psychologie Heute
„Träge Christen, rege Juden“
Götz Aly beschreibt, wie der Neid auf die Juden zum Antisemitismus und Holocaust führte
In seinem neuen Buch trägt der Historiker Götz Aly Belege für seine These zusammen, dass der moderne Antisemitismus in Deutschland großenteils aus der kränkenden Erfahrung der Unterlegenheit hervorgegangen sei: Unzählige nichtjüdische Deutsche hätten seit dem Beginn des Industriezeitalters darunter gelitten, dass die Juden beruflich vielfach besser vorangekommen seien als der Bevölkerungsdurchschnitt: „Im Vergleich zu ihren christlichen deutschen Zeitgenossen überwanden sie die schwierige Strecke des sozialen Emporkletterns schnell, und das, obwohl sie noch bis 1918 Staatsbürger zweiter Klasse blieben. Umgekehrt betrachtet, gerieten die christlichen Mitaufsteiger
gegenüber den objektiv benachteiligten, aber subjektiv gut gerüsteten Juden ins Hintertreffen.“
Als eines von vielen Beispielen führt Aly die Karriere des jüdischen Kondomfabrikanten Julius Fromm an, der als mittelloser osteuropäischer Immigrant nach Berlin gekommen ist und sich innerhalb von 15 Jahren nach oben gearbeitet hat, sodass er seine Kinder aufs Gymnasium schicken konnte. Währenddessen hat „ein nicht ganz so armer, aber doch ähnlich schlecht gestellter Christ“ gerade mal „den Sprung vom kleinbäuerlichen Hungerleider zum Apothekenhelfer“ geschafft und sich überlegt, „wie er seinen Sohn als Briefträger mit Pensionsanspruch bei der Reichspost unterbringen könnte“.
Den Grund dafür sieht Aly in historisch erworbenen Eigenschaften, mit denen sich viele Juden für den Verdrängungswettbewerb in der Industriegesellschaft qualifiziert hätten: Strebsamkeit, Ehrgeiz, Klugheit, Bildungsbeflissenheit, Wagemut, Unvoreingenommenheit, Ungebundenheit und finanzielles Geschick. Dadurch zogen sie sich die Feindschaft ungezählter Neider zu, denen eifernde Patrioten wie Ernst Moritz Arndt eine Stimme gaben. An den Juden rügte er „das Scharfe, das Spitzige, das Geistige, das Schlaue und Pfiffige“, das den germanischen Völkern fehle. Doch statt die geistige Herausforderung anzunehmen, drangen die Antisemiten auf die soziale Ächtung der Juden, bekämpften ihre Emanzipation und brachten schließlich Millionen von ihnen ums Leben.
„Träge Christen, rege Juden“ – so lautet eine Kapitelüberschrift, und so steht es auch auf dem Schutzumschlag. Es wirkt befremdlich, eine Studie über die Ursachen des Holocaust in eine so plakative Formel gefasst zu sehen, und befremdlicher noch, dass Aly kein Wort über eine andere Studie verliert, die seiner eigenen krass widerspricht: In seinem Werk Die schlauen Juden hat der Kulturwissenschaftler Sander L. Gilman bereits in den neunziger Jahren nachzuweisen versucht, dass die Rede von der herausragenden Intelligenz der Juden nur ein abgelebtes Klischee sei. Aly
müsste sich dieser Auffassung nicht anschließen. Indem er jedoch alle dafür vorgetragenen Argumente stillschweigend übergeht, macht er es sich zu leicht.
Das gilt auch für seine geraffte Darstellung des Aufmarschs zum Ersten Weltkrieg: „Überall marschierten proletarische und bürgerliche Soldaten begeistert, Seite an Seite, dem jeweiligen nationalen Feind entgegen …“ Eine solche Formulierung wäre selbst in einer anspruchslosen Schulfunksendung fragwürdig. Von der vielberufenen allgemeinen Kriegsbegeisterung im August 1914 ist bei der genaueren Betrachtung durch die Historiker nicht viel übriggeblieben. Über die Stimmungslage der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg gibt Aly eine ebenso ungenaue Auskunft: „Nach 1945 standen die Überlebenden und die Nachgeborenen vor dem Unsagbaren. Die meisten schwiegen zunächst. Sie mussten schweigen, um weiterleben zu können.“ Dagegen spricht beispielsweise die Tatsache, dass viele der überlebenden Nazis sich öffentlich ihrer Erfolge brüsteten und nachdrücklich einen Schlussstrich unter die Diskussion über ihre Verbrechen verlangten.
Auch von grotesken Stilblüten ist Alys Buch nicht frei („Der Parteiführer zupfte die Rassensaite beiläufig an“). Und wenn er die als Euthanasie getarnte Ermordung von Behinderten im Dritten Reich als „massive Autoaggression“ des Volkskörpers interpretiert, so verkennt er, dass ein Mörder bei seiner Tat keine Autoaggression an den Tag legt, sondern einen Mord an jemand anderem begeht. All das macht Alys Buch zu einem Werk von zweifelhaftem Wert.
Rezensent: Gerhard Henschel, Psychologie Heute
Von diesem Autor haben wir noch folgendes im Programm:
Hitler, die Gauleiter, Minister und Staatssekretäre agierten als klassische Stimmungspolitiker. Sie fragten sich täglich, wie sie die Zufriedenheit der deutschen Mehrheitsbevölkerung sichern konnten. Auf der Basis von Geben und Nehmen erkauften sie sich deren Zustimmung oder wenigstens Gleichgültigkeit durch eine Fülle von Steuerprivilegien, mit Millionen Tonnen geraubter Lebensmittel und mit der Umverteilung des arisierten Eigentums von verfolgten und ermordeten Juden aus ganz Europa. Den Deutschen ging es im Zweiten Weltkrieg besser als je zuvor, sie sahen im nationalen Sozialismus die Lebensform der Zukunft - begründet auf Raub, Rassenkrieg und Mord.
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